Die Wanderpläne von 1910 bis heute der Eifelverein Ortsgruppe Ahrweiler.

Die Ortsgruppe Ahrweiler ist in der glücklichen Lage, fast alle Wanderpläne von der Gründungszeit bis heute im eigenen Archiv zu besitzen. Dieser kostbare Schatz wurde von der Familie Schmitz aus Ahrweiler, Eifelstraße im Laufe der Jahre gesammelt und der Ortsgruppe zur Verfügung gestellt.

wanderplanDer erste vorhandene Wanderplan datiert aus dem Jahr 1910. In diesem Jahr wurden 12 Wanderungen angeboten. Die erste Wanderung war ausgeschrieben als „Halbtagswanderung“. Treffpunkt war das „Deo-Kapellchen“ um 11¾ Uhr. Die Wanderung führte über Aussichtsturm (welcher Turm gemeint ist, ist nicht bekannt, der EVA-Turm bestand damals noch nicht), weiter durch den Ringener Wald nach Altenahr, zurück über Schwarzes Kreuz, Nückelchen, durch das Langfigtal nach
Mayschoß. Es war eine Marschzeit von 5 Stunden angesetzt. Die Wanderführung hatte Hauptlehrer Strauck.

Eine weitere bemerkenswerte Wanderung im gleichen Jahr war am 17. Juli. Hier war der Treffpunkt schon morgens um 5 Uhr an der Bachemer Brücke. Es ging durch das Bachemer Tal, über die Kohlstraße nach Cassel und Niederheckenbach. Hier war ein gemeinsamer Kirchgang angesagt. Der Rückweg erfolgte über Uhufelsen, Staffeler Mühle, Häuschen zurück nach Ahrweiler. Die Wanderführung hatte hier Oberförster Becker. Es war eine reine Marschzeit von 7½ Stunden angesetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

In den Jahren von 1911 bis 1914 wurden auch interessante Wanderungen angeboten. Der Jahresplan umfasste etwa 18 Wanderungen im Jahr. Hier ist eine Wanderung ebenfalls erwähnungswert. Am 24. Mai 1914 ging es schon morgens recht früh raus. Treffpunkt war um 5½ Uhr an der Bachemer Brücke. Der Weg führte über Ramersbach (Kirchgang) und Kempenich zum Laacher See und weiter nach Niedermendig. Marschdauer 7 Stunden. Die Wanderführung hatte Landwirtschaftslehrer Rech. Wie die Wandergruppe von Niedermendig wieder zurück nach Ahrweiler kam ist aus dem Wanderplan nicht ersichtlich.
Es wurden aber auch Ausflüge mit der Eisenbahn nach Adenau, nach Remagen und sogar nach Blankheim, was damals mit der Bahn noch möglich war, unternommen.

WanderplanIn den Kriegswirren des 1. Weltkrieges wurde immer noch tapfer gewandert, wenn auch in einem kleinen Rahmen. Der Wanderplan von 1918 verzeichnet noch insgesamt 4 Wanderungen; hier schon eine Wanderung gemeinsam mit der Ortsgruppe Neuenahr.

In den 20ziger Jahren wurde die Wandertätigkeit wieder richtig aufgenommen. Im Wanderplan von 1920 sind schon wieder 12 Wanderungen aufgeführt. Am 21. August wurde mit der Bahn bis Boppard zu einer Wanderung in der Bopparder Hamm gefahren.
Steinerberg, Schrock, Teufelsley, Aremberg, Kesselinger Tal, Neuenahrer Wald, Steinthalskopf usw. sind Ziele die heute immer noch gerne erwandert werden. Aber auch schon Mehrtageswanderungen waren in den Jahresplänen enthalten.

Die Wanderpläne in den 30ziger Jahren zeugen von einer erstarkten Wanderbewegung. Es wurden immer mehr Wanderungen mit weiter entfernen Zielen angeboten. Niederlahnstein mit Ruppertzklamm, Zweitageswanderungen in Daun und Manderscheid, aber auch Wanderung in der näheren Umgebung, u.a. morgens um 4 Uhr zum Laacher See, standen im Programm. Im Jahr 1934 wurden die ersten Ausfahrten mit dem Auto angeboten. 1935 wurde am 10. Juni eine Wanderung vom Adenbachtor über EVA-Höhe, Dernauer Höhe, Krausberg und Alfred Dahm-Hütte nach Walporzheim durchgeführt, zugleich auch für „Kraft durch Freude“. Außer einer Fahnenhissung im Rahmen einer Wanderung zur Alfred Dahm-Hütte sind aus den Wanderplänen keine Merkmale der damals „Brauen Zeit“ ersichtlich. Was aber auffällt sind viele Kirchgänge, die in die Wanderungen eingebunden wurden.

Die Wanderordnung zu dieser Zeit gibt Anlass ist zum Nachdenken und zum Schmunzeln. Hier ein Auszug aus dieser Wanderordnung:
Zur Sicherung des guten und schönen Verlaufs einer Wanderung ist es erforderlich, daß die Teilnehmer allen Anordnungen des jeweiligen Führers nachkommen. Der Führer geht an der Spitze der Wanderschaft. Wer vorauseilt oder sonst die Gesellschaft ohne Mitteilung an den Führer verläßt, oder dessen Anordnungen nicht Folge leistet, verzichtet damit auf seine Fürsorge.
Liederbücher gehören zu jeder Wanderung, ebenso das Vereinsabzeichen.

In der schrecklichen Zeit des 2.Weltkrieges wurden bis 1944 immer noch ständig Wanderungen angeboten. Die Auswahl und die Anzahl der Wanderungen ließen keine Ruckschlüsse auf die damalige Lange in Deutschland zu.

Der erste vorliegende Wanderplan nach dem Krieg datiert von 1946. Es sind 10 Wanderungen aufgelistet. Ob diese Wanderungen auch alle durchgeführt wurden, wer weis es? Die Wanderfreunde hatten wohl damals andere Sorgen.

1. NachkriegswanderungWas aber belegt ist, ist das am 22. April 1946 wieder eine organisierte Wanderung stattfand. Hierzu war noch die Genehmigung der französischen Kommandantur erforderlich. An der Wanderung nahmen 14 Frauen und 11 Männer teil. Die Wanderführung hatte Herr Plachner. Die Wanderung führte von der Obertorbrücke nach Walporzheim, über die Alfred Dahm-Hütte nach Dernau. Rückfahrt war mit der Bahn.

Nach der Neugründung der Ortsgruppe Ahrweiler im Jahr 1949 wurde wieder kräftig gewandert. Diese Wanderungen waren wohl eine schöne Abwechslung in der damals harten Nachkriegszeit und in der Zeit des Wiederaufbaus.

 

 

 

Von 1950 bis heute sind alle Wanderpläne vorhanden. Sie zeugen von einer regen Wandertätigkeit hier in unserer Heimat, aber auch hoch in der Eifel, am Rhein, an der Mosel, im Hunsrück und im Westerwald und zu Wanderwochen in ganz Deutschland.

Wanderungen um 1950Die Wanderungen in der damaligen Zeit wurden unter ganz anderen Voraussetzungen durchgeführt. Funktionsbekleidung, atmungsaktiv, leicht, regen- und winddicht waren damals noch unbekannt. Männern wanderten mit Schlips und Kragen, die Damen in Röcken und Mänteln, von den Schuhen gar nicht zu sprechen. Rucksackverpflegung war Standard, eine Einkehr nach oder während einer Wanderung war seltene Ausnahme.

 

 

 

Wandern war damals und ist heute „in“. Die Wanderbewegung erfreut sich ständiger Begeisterung, und deshalb ist gerade ein Rückblick auf die Wanderbewegung der vergangener Zeit sehr interessant.